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MUSIK transportiert Ideologie 

Musik gehört für meisten Jugendlichen ganz selbstverständlich zum täglichen Leben. Vorlieben für Musikrichtungen gehen dabei weit auseinander. Von Klassik bis Heavy Metal finden sich für alle Stile auch leidenschaftliche MusikliebhaberInnen. Musik kann Emotionen hervorrufen und verstärken und damit nicht zuletzt die Einstellung zum eigenen Leben prägen. 

Daher spielt Musik eine entscheidende Rolle bei der Frage, wie Kinder und Jugendliche in die rechtsextreme Szene einsteigen. Von Hip-Hop bis zu LiedermacherInnen, die den Rechtsrock ergänzen, ist alles in der Szene vertreten. Die populärsten Beispiele hierfür sind: Landser, die daraus hervorgegangene Band die Lunikoff Verschwörung, der Liedermacher Frank Rennicke und Metalbands wie Burzum oder Absurd.  

Es ist nicht einfach, Unterschiede zu erkennen oder manchmal überhaupt etwas von den Texten zu verstehen.  Auch Heavy Metal, Hardcore oder Dark Wave zeichnen sich oft durch harte, lautstarke Klänge aus und sind deswegen nicht unbedingt der rechtsextremen Szene zuzuordnen. Ian Stuart, ein Begründer des Rechtsrock und Musiker in der rechtsextremen Band Skrewdriver erklärt:  „Musik ist das ideale Mittel, Jugendlichen den Nationalsozialismus näher zu bringen. Besser als dies in politischen Veranstaltungen gemacht werden kann, kann damit Ideologie transportiert werden.“1 Rechtsextreme Musik hat also mehrere Wirkungsweisen: Gewaltverherrlichende Texte dienen besonders in Verbindung mit Alkohol dazu, Hemmschwellen abzubauen und Gewalttaten vorzubereiten. Sie putschen auf und rechtsextreme HörerInnen steigern sich in ihre Gewaltphantasien hinein. 

Dass die Äußerung von Ian Stuart nach wie vor nicht an Aktualität verloren hat, beweist eine Wahlwerbeaktion der rechtsextremen NPD. Seit 2004 wurden bundesweit in der Nähe von Schulen und Jugendclubs sogenannte „Schulhof-CDs“ mit einschlägig rechtsextremen „Liedgut“ verteilt. So sollen ErstwählerInnen geworben und Jugendliche an die rechtsextreme Szene herangeführt werden.  

Neben „Schulhof-CDs“ gibt es zahlreiche Websites, die ein breites Spektrum an rechtsextremer Musik anbieten. Neben Foren und Online-Versandhäusern, die sich auf den Vertrieb von rechtsextremer Musik spezialisiert haben, werden auch große weltweite Plattformen wie YouTube genutzt. Hier können Videos und Musik aller Art, u.a. auch die wegen ihres menschenverachtenden Inhaltes verbotenen Lieder wie die von Landser, kostenfrei ins Netz geladen und somit von der Szene zu Propagandazwecken missbraucht werden.  

Eine besonders große Wirkung haben Konzerte, auf denen rechtsextreme Musik gespielt wird. Das für Thüringen bekannteste rechtsextreme musikalische Ereignis heißt „Rock gegen Überfremdung“ in Themar. 2017 besuchten ca. 6000 rechtsextreme Personen das Konzert. Aber auch politische Kundgebungen werden musikalisch untermalt. Kleinere, meist illegale, Konzerte werden häufig als Geburtstage getarnt. Die politischen Botschaften werden so in Verbindung mit Abenteuerlust, dem Reiz am Verbotenen und dem Gefühl von Kameradschaft vermittelt. In dieser Kombination gelingt die Verbreitung nationalsozialistischen Gedankengutes, bewusst gefälschter Geschichtsbilder und menschenverachtender Einstellungen mühelos.  

Quellenverzeichnis 

  • Langebach, M., Raabe, J.: RechtsRock Made in Thüringen. 2. Überarbeitete und erweiterte Auflage. Erfurt: Bundeszentrale für politische Bildung Thüringen; 2010. S. 9 

  • Thüringer Beratungsdienst – Ausstieg aus Rechtsextremismus und Gewalt: Rechtsextremismus – das betrifft mein Kind? Ratgeber für Eltern. 4. Auflage, Jena, 2013. S. 29 ff.